Vom 7. bis 11. September fand bereits zum vierten Mal der Bildungsurlaub „Vergangenheit verstehen – NS-Tatorte an der schleswig-holsteinischen Westküste“ statt. Zwanzig Teilnehmende kamen an die Westküste, um Orte kennenzulernen, an denen Geschichte konkret erfahrbar wird: Bei Exkursionen zu den KZ-Gedenkstätten Husum-Schwesing und Ladelund sowie zum Historischen Lernort Neulandhalle beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Geschichte der jeweiligen Orte und ihrer heutigen Erinnerungskultur. Dabei standen Fragen im Mittelpunkt, die über die reine Vermittlung historischer Fakten hinausgingen: Wer erinnert woran – und auf welche Weise? Wem wird gedacht und wem vielleicht auch (noch) nicht? Und wie weit reichte die Beteiligung an den NS-Verbrechen über die Konzentrationslager hinaus?

Ein Beispiel dafür war die Auseinandersetzung mit der Rolle der Gesundheitsämter in den Kreisen Husum und Eiderstedt während der NS-Zeit. Anhand konkreter Beispiele wurden die Handlungsspielräume von Ärzten und Gutachtern betrachtet und ebenso die Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass NS-Verbrechen nicht allein an den bekannten Tatorten stattfanden, sondern auch in Behörden, Institutionen und im Alltag durch die Gesellschaft ermöglicht und getragen wurden.

Immer wieder richtete sich der Blick dabei auf die Gegenwart: Welche gesellschaftspolitischen Entwicklungen begünstigten damals den Aufstieg völkischer und rechtsextremistischer Bewegungen? Welche Parallelen oder Unterschiede lassen sich zur heutigen Situation erkennen? Und vor allem: Welche Handlungsspielräume hatten Menschen vor 1933 – und welche haben wir heute?

Die Woche war geprägt von einem intensiven Programm und anregenden Diskussionen. Am Ende war sich die Gruppe einig: Angesichts der aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen ist Schockstarre keine Option. Vielmehr ist es jetzt wichtig, sich Verbündete zu suchen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und sich für den Erhalt der Demokratie einzusetzen.

Der Bildungsurlaub ist eine Veranstaltung der IBJ Scheersberg und wurde in Kooperation mit der Nordsee Akademie, der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing, der KZ-Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund sowie dem Historischen Lernort Neulandhalle durchgeführt. Finanziell gefördert wurde die Veranstaltung durch die Bundeszentrale für politische Bildung.