Am 27. Januar wurde im Kreishaus Husum die Ausstellung „Rechte Gewalt in Hamburg von 1945 bis heute“ feierlich eröffnet. Gut 100 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil, darunter zahlreiche Kreistagsabgeordnete sowie Ibrahim Arslan, Überlebender des rassistischen Brandanschlags von Mölln im Jahr 1992. Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Februar im Kreishaus zu sehen.
Die Eröffnung begann mit einer Andacht von Pastor Andreas Raabe, die musikalisch vom Posaunenchor begleitet wurde. In einem gemeinsamen Schweigemoment wurde der Opfer rechter Gewalt gedacht. Pastor Raabe stellte dabei die gegenwärtige Bedrohungslage durch Rechtsextremismus sowie die zunehmenden Erscheinungsformen von Rassismus und Antisemitismus heraus und rief dazu auf, Haltung zu zeigen und die Stimme gegen Unrecht sowie für die Betroffenen zu erheben.
Landrat Florian Lorenzen betonte in seiner Rede die besondere Bedeutung des 27. Januars als Gedenktag und die Verantwortung von Gesellschaft und Politik, sich auch mit aktuellen rechten Tendenzen auseinanderzusetzen. Er machte zudem auf die vielfältige und kontinuierliche Bildungs- und Gedenkarbeit der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing aufmerksam und berichtete über Förderzusagen zur Erweiterung der Gedenkstätte. Als persönliche Empfehlung nannte er das Buch „Solange wir leben müssen wir uns entscheiden“ von Jehuda Bacon. Musikalisch umrahmt wurde die Rede durch Klaviermusik von Constance Vogel sowie Gesang von Margitta Broda.
Lennart Onken von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte, Mitkurator der Ausstellung, berichtete von der intensiven und teils erschütternden Recherchearbeit. Er hob hervor, dass die enge Zusammenarbeit mit Betroffenen ein zentrales Fundament der Ausstellung bildet. Anhand von Einzelschicksalen zeigt die Ausstellung die Entwicklung rechter Gewalt, Täterstrukturen und Netzwerke sowie die wichtige Selbstorganisierung und Vernetzungsarbeit von Betroffenen. Den Abschluss bildet ein sechsminütiger Film, in dem Betroffene selbst zu Wort kommen. Die Ausstellung wurde 2024 entwickelt.
Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung wurde im Kino Center Husum der Film „Die Möllner Briefe“ gezeigt. Viele Gäste begleiteten die Veranstaltung auch dorthin. Ibrahim Arslan, Protagonist des Films, führte nach der Vorführung ein fast einstündiges Gespräch mit dem Publikum. Dabei wurde großes Entsetzen und Empörung über den Umgang der Stadt Mölln mit den Betroffenen des Brandanschlags deutlich. Arslan unterstrich eindrücklich, wie wichtig Solidarität, Anteilnahme und die aktive Einbindung der Perspektiven von Betroffenen sind — nicht nur symbolisch, sondern als gleichberechtigter Teil der Erinnerungskultur.
Auf WestküsteFM lief ein Beitrag über die Eröffnung. Er kann hier in der Mediathek nachgehört werden: