In den vergangenen zwölf Monaten haben Paula Drewes und Miriam Augustin ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei der Stiftung Nordfriesland absolviert. Neben dem Einsatz im Kreisarchiv und Fachdienst Kultur gehörte auch die KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing zu ihren Aufgabenbereichen. Wir hatten das besondere Glück, mit Paula und Miriam zwei super engagierte Freiwillige gewonnen zu haben, die gleich mehrere spannende Projekte an der KZ-Gedenkstätte umgesetzt haben.
Beide haben jeweils einen kleinen Bericht geschrieben über ihre Projekte, Erlebnisse und Erfahrungen, die sie bei uns gesammelt haben. Diese möchten wir gerne mit euch teilen.
Vielen Dank Paula und Miriam für euren engagierten Einsatz – wir wünschen euch alles erdenklich Gute für eure Zukunft!
Paula

Mein FSJ Kultur in der Stiftung Nordfriesland neigt sich langsam dem Ende zu und ich blicke auf ein Jahr voller neuer Erfahrungen und spannender Erlebnisse zurück.
Von meinem Einsatz in der Gedenkstätte habe ich vor allem erwartet, viel im Bereich der Bildungsarbeit mitzuhelfen, also zum Beispiel bei Führungen oder Workshops. Und auch wenn diese Aufgaben natürlich einen Teil meiner Arbeit dargestellt haben, war meine Tätigkeit in der Gedenkstätte deutlich vielseitiger. So hatte ich u.a. die Möglichkeit, einen Einblick in Projekte wie „Plurales Erinnern“, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ oder die geplante Erweiterung der KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing zu erhalten. Die Teilhabe an diesen Projekten hat mir viel Freude bereitet, da ich dabei erleben konnte, wie man institutionenübergreifend nochmal mehr Reichweite erzeugen kann und wie viel Spaß es macht, gemeinsam wertvolle Arbeit zu leisten.
Darüber hinaus durfte ich im Januar an einer Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages anlässlich des 80. Jahrestages der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz teilnehmen. In dieser Woche habe ich zum einen auf fachlicher Ebene viel gelernt, zum anderen habe ich wertvolle Kontakte knüpfen können. Einige der Teilnehmenden der Jugendbegegnung habe ich dann noch einmal beim bundesweiten Freiwilligendiensttreffen in Dachau wiedergetroffen. Auch dieses Netzwerktreffen empfand ich als sehr wertvoll, da ich dort einmal mehr mit Freiwilligen aus ganz Deutschland, die sich mit dem Thema des Nationalsozialismus auseinandersetzen, austauschen konnte.
Außerdem habe ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestages der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und somit des Endes des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai organisiert. Dabei haben wir einen Poetry-Workshop geplant, bei dem sich eine zehnte Klasse der TSS in Form von Texten mit der Geschichte der KZ-Gedenkstätte auseinandergesetzt und diese dann am Ende des Tages mit musikalischer Begleitung präsentiert hat. Die Planung dieser Veranstaltung war eine Herausforderung, die wir aber im Team sehr gut gemeistert haben.
Abgesehen davon hat mein FSJ Projekt einen großen Teil meiner Arbeit eingenommen: ich habe über das Jahr hinweg in Zusammenarbeit mit Dataport das Stelenfeld in einem virtuellen Rundgang aufbereitet. Dabei habe ich u.a. auch die Sterbeurkunden der uns bekannten, im KZ Husum-Schwesing umgekommenen Häftlinge recherchiert und in dem Rundgang eingebunden. Der ganze Prozess der Forschung sowie technischen Aufbereitung des Projektes war für mich eine spannende und erfüllende Erfahrung.
Insgesamt habe ich ganz viele wertvolle Erfahrungen in der Gedenkstätte gesammelt und ich habe unterschiedliche Bereiche der Bildungsarbeit kennengelernt. Ich möchte mich daher noch einmal ganz herzlich bei meiner Einsatzstelle und Charlotte Haugg sowie Philipp Cordts für dieses Jahr bedanken.
Miriam

Mein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Stiftung Nordfriesland bot mir wertvolle Einblicke ins Kreisarchiv Nordfriesland, in die Arbeit für KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing und ins Kulturmanagement sowie dessen Umsetzung durch die Mitarbeiter des Husumer Schlosses.
Dass es eine KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing gibt, war mir als Husumerin schon zu Beginn meines FSJs bekannt, jedoch war ich bis dahin noch nicht auf dem Gelände der Gedenkstätte gewesen. Die KZ-Gedenkstätte Husum Schwesing dann als Arbeitsplatz machte mich insbesondere einer besonderen Verantwortung in der Gegenwart bewusst, die wir für die Demokratie tragen. Auch die Gespräche und Diskussionen bei Workshops und verschiedenen Treffen verdeutlichten dies.
Mit meinem Projekt „Husum-Douarnenez – Ein deutsch-französisches Gedenkstättenprojekt“ möchte ich nicht nur Schüler*innen aus Husum die Möglichkeit geben sich intensiver mit der Geschichte KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing auseinanderzusetzen, sondern auch Schüler*inne aus Frankreich, bzw. von der Partnerstadt Douarnenez. So gab es im KZ-Außenlager Husum-Schwesing Häftlinge aus verschiedensten Ländern; auch aus Frankreich, wie zum Beispiel den Häftling (im Französischen „déporté“; Deportierter) Jean Le Corre.
Daher blicke ich mit zahlreichen neuen Erfahrungen in den verschiedenen Bereichen und durch zahlreiche neue Begegnungen auf eine vielfältige Zeit zurück, die mich bestärkt meinen weiteren Weg nach diesem besonderen Jahr gehen lässt.