Das KZ-Außenlager in der Nachbarschaft

»Es war uns bekannt…«

»Es war uns bekannt, dass in einem Abschnitt an der Wallsbüller Chaussee eine Gruppe KZ-Häftlinge […] unter unwürdigen Bedingungen arbeiten mussten. Die Bauleitung – Parteifunktionäre – achtete peinlichst darauf, dass wir [die deutschen Arbeitskräfte] diesen Abschnitt nicht betraten.«
Aus: Chronik der Gemeinde Vollstedt, Hrsg. Gemeinde Vollstedt, Vollstedt 1999.

»Ende 1944 marschierten durch die Herzog-Adolf-Straße aus Richtung Osterende, Norderstraße kommend lange Züge von Menschen in gestreiften Anzügen mit ebenfalls gestreiften Kappen. Sie waren flankiert von Soldaten der Husumer Marine-Artilleriekaserne. Die Gefangenen bewegten sich […] nur sehr schleppend und machten auf mich einen sehr heruntergekommenen Eindruck.«
Der Husumer Hans Reimer Otto erinnert sich 1982.
Erinnerungsbericht im Besitz der Arbeitsgruppe zur Erforschung der Konzentrationslager in Nordfriesland, zitiert nach Klaus Bästlein, 1983, S. 45

In Nordfriesland hatten die Nationalsozialisten besonders viele Anhänger. Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 erhielt die NSDAP im Kreis Husum 68,6 Prozent der Stimmen.
Das KZ-Außenlager lag sieben Kilometer außerhalb von Husum,
gut erkennbar neben dem Flugplatz in dem Ortsteil Engelsburg der Gemeinde Schwesing. Geschäftsleute aus der Stadt und Bauern aus der Umgebung belieferten es mit Lebensmitteln. Die Husumer konnten die Häftlinge auf ihrem Weg zur Arbeit in und außerhalb der Stadt wahrnehmen.
Sie wussten vermutlich auch von der hohen Sterblichkeit im Lager. Ab Mitte November brachte ein Bauer beispielsweise fast täglich die verstorbenen Häftlinge mit seinem Pferdefuhrwerk zum Husumer Ostfriedhof. Dort wurden die Toten in einem Massengrab bestattet und ihre Namen im Friedhofsregister eingetragen.

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