Die Arbeitsbedingungen

»Das Problem war natürlich in Husum […], dass wir abends klatschnass waren, und man hatte die Möglichkeit, entweder die nasse Kleidung auszuziehen und sie genauso nass am nächsten Morgen wieder anzuziehen oder darin schlafen zu gehen in der Hoffnung, dass sie am Körper trocknen würde.«
Jean Le Bris, französischer Häftling, erinnert sich 1993.
Archiv KZ-Gedenkstätte Neuengamme, EB 1544, S. 101.

»Das waren also keine Teams oder so was, sondern jeder arbeitete, wo er sich gerade befand, und es wollte natürlich keiner nach unten [in den Graben], aber wenn keiner da war, dann sorgte der Kapo dafür, dass einer hinging. Und man versuchte natürlich, sich davor zu drücken.«
Michel Tilly, französischer Häftling, erinnert sich 1993.
Archiv KZ-Gedenkstätte Neuengamme, EB 1614, S. 88.

»Mein bester Freund in Husum hatte […] zu große Füße. Schuhgröße 46. […] Er bekam Schuhe, die zu klein waren. Er musste versuchen, seine Füße in die zu kleinen Schuhe zu klemmen. Er schlitzte sie auf, fütterte sie mit Gras und band sie mit rostigem Draht zusammen […], aber die Blasen waren nicht zu vermeiden – sie wurden zu Wunden, die sich entzündeten, und daran starb dieser Gefangene.«

Benjamin Mørch, dänischer Häftling, erinnert sich 1983.
Aus seiner Rede auf einer Veranstaltung im Husumhus am 30. Januar 1983.

Die KZ-Häftlinge hoben mit Schaufeln und Spaten Panzerabwehrgräben für den „Friesenwall“ aus. Marinesoldaten bewachten die Häftlinge auf den Baustellen, und Häftlinge mit Aufsichtsfunktionen, sogenannte Kapos, trieben sie mit Gewalt zur Arbeit an.
Jeder Tag begann zwischen vier und fünf Uhr morgens. Nach mehrstündigen Zählappellen folgten zwölf Stunden Arbeit. Die Arbeitsorte wechselten mit dem fortschreitenden Ausbau der Panzerabwehrgräben. In den ersten Wochen mussten die Häftlinge jeden Tag zehn Kilometer zu Fuß zur Baustelle marschieren. Später stellte die Reichsbahn Güterwagen für den Transport zum Einsatzort.
Auch während der Arbeit starben Häftlinge. Mithäftlinge mussten ihre Leichen dann abends zurück ins Lager bringen.

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